Forschungszentrum Borstel
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Pressemitteilung

Acht Millionen Euro für die Lebenswissenschaften in Schleswig-Holstein

Pressemitteilung des Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“

Acht Millionen Euro für die Lebenswissenschaften in Schleswig-Holstein
Zukunftsweisendes Förderprogramm der Universitäten Kiel und Lübeck

Ende kommenden Jahres endet die zweite Phase der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder für die Förderung der Spitzenforschung in Deutschland. Der schleswig-holsteinische Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“ stellt schon jetzt die Weichen für die angestrebte dritte Förderperiode und schafft Strukturen zur Fortführung exzellenter lebenswissenschaftlicher Forschung im Norden. Von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität zu Lübeck (UzL) wurden dafür acht sogenannte „Schleswig-Holstein-Excellence-Chairs“(„SH Chairs“) gemeinsam ausgeschrieben. Am Donnerstag, 9. Februar, stellten Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Universitäten und Wissenschaftsministerin Kristin Alheit das neuartige Konzept in Kiel vor.

Die „SH-Chairs“ sind spezielle Professuren, mit denen exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die schleswig-holsteinischen Standorte gebunden werden sollen. Sie werden jeweils für einen Zeitraum von maximal sechs Jahren gefördert. Durch die Förderung kann jeder Chair-Inhaber eine zusätzliche Juniorprofessur in seiner Arbeitsgruppe einsetzen. Eine zweite Ausschreibungsphase des Förderprogramms ist im Anschluss vorgesehen. Fünf Millionen Euro der Fördersumme finanziert das Land Schleswig-Holstein aus seinem Struktur- und Exzellenzbudget. Drei Millionen trägt der Medizin-Ausschuss, eine gemeinsame Einrichtung der Universitäten Kiel und Lübeck mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), in dem Strukturen, Planungen und Entscheidungen gemeinsam beraten und abgestimmt werden. Die Förderung bietet den als überdurchschnittlich ausgewiesenen Forschenden eine wissenschaftlich exzellente Karriere- sowie eine belastbare Lebensperspektive am Standort Schleswig-Holstein. Ordentlich berufene Professorinnen und Professoren beider Universitäten konnten sich um die finanzielle Förderung des eigenen Forschungsumfeldes bewerben.

Einen dieser acht „SH-Chairs“ hat Prof. Stefan Niemann vom Forschungszentrum Borstel inne. Stefan Niemann ist seit 2013 mit einer Professur für „Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie“ der Universität zu Lübeck am Forschungszentrum Borstel und leitet dort die Forschungsgruppe „Molekularen und Experimentelle Mykobakteriologie“. Zudem ist er stellvertretender Leiter des Programmbereichs Infektionen am Forschungszentrum und Mitglied im Exzellenzcluster „Entzündungsforschung“.  Stefan Niemann forscht an einem besseren Verständnis und damit einer besseren Bekämpfung der Tuberkulose und nutzt dafür Techniken für die Analyse des Erbguts. Auf diese Weise kann untersucht werden, wie sich die Krankheitserreger an Ihren Wirt und an die Umweltbedingungen (z.B. Antibiotikabehandlung) anpassen. Auf Basis dieser Ergebnisse können Therapiehinweise gegeben werden, welche Antibiotika zur Behandlung multiresistenter Tuberkulose bei individuellen Patientinnen und Patienten eingesetzt werden können.

Bei der Vorstellung des Konzeptes machte Wissenschaftsministerin Kristin Alheit deutlich, was das Land mit dieser Förderung bewirken möchte: „Wir wollen die universitäre Spitzenforschung im Land stärken und die Exzellenzstrategie fördern. Das Land Schleswig-Holstein beteiligt sich an der Finanzierung der ‚SH Chairs‘, damit das lebenswissenschaftliche Potenzial im Land optimal genutzt werden kann. Die Exzellensstrategie soll auch dazu beitragen, aktuelle Forschungsergebnisse schnell für Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen. Die Lebenswissenschaften gehören dabei zu den wichtigen Zukunftsfeldern, die den Forschungsstandort Schleswig-Holstein sichern.“Professor Lutz Kipp, Präsident der CAU, betonte: „In den Lebenswissenschaften betreiben wir an der CAU Spitzenforschung – gemeinsam mit der Universität zu Lübeck. Die Erfolge bei der Einwerbung von Exzellenzclustern und Sonderforschungsbereichen liefern hierfür klare Belege. Spitzenforschung ist nur mit Spitzenforscherinnen und -forschern möglich. Deshalb müssen wir diese nach Schleswig-Holstein holen und durch attraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen am Standort halten. Und genau das leistet das SH-Chair-Programm.“Der Schulterschluss der beiden Universitätsstandorte Kiel und Lübeck, sowie die disziplinübergreifende Ausschreibung des Förderprogramms ist ein bewusst gewähltes Modell. „Wir haben seit 2007 sehr gute Erfahrungen mit der standortübergreifenden Zusammenarbeit der Cluster-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler gemacht“, sagt Hendrik Lehnert. „Dieses extrem erfolgreiche Netzwerk, das weltweite Standards gesetzt hat, wollen wir weiter ausbauen und verstärken.“Das Programm der „SH-Chairs“ ist deutschlandweit einmalig. „Mit diesem Alleinstellungsmerkmal gehen wir stark in die dritte Förderperiode.“ Davon ist Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters, überzeugt: „Das Programm ist insbesondere auch eine Entwicklung, die den Patientinnen und Patienten in unseren beiden Entzündungsambulanzen zu Gute kommt. Diese Betroffenen profitieren aus erster Hand von den Forschungsergebnissen aus dem Cluster, weil sie nach den allerneusten Erkenntnissen behandelt werden.“„Die Entzündungsforschung ist zentraler Bestandteil der Forschungsagenda an der Medizinischen Fakultät der CAU“, fügt Professor Ulrich Stephani, Dekan der Fakultät, hinzu. „Wir etablieren die Chairs und stellen auf diese Weise sicher, dass die Spitzenkräfte in Schleswig-Holstein bleiben. Mit diesem Programm bekennen wir uns zur Spitzenforschung.“ Die Ausschreibung der Juniorprofessuren hole weitere brillante Köpfe nach Schleswig-Holstein, so Stephani weiter.„Schleswig-Holstein ist ein demografisches Zuzugsland – insbesondere für ältere Menschen. Damit ist ein Anstieg chronischer Krankheiten prognostiziert. Volkswirtschaftlich sehr teure Therapieverfahren werden im ‚echten Norden‘ nicht nur Anwendung finden, sondern hier - wo die Patienten sind - entwickelt“, sagt Professor Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des UKSH. „Die Gemeinschaft des Clusters stellt schon jetzt sicher, dass unheilbare chronische Krankheiten innovativ behandelt werden, was gleichzeitig zu besseren klinischen wie wirtschaftlichen Ergebnissen führt. Hier werden strategische Lücken zwischen Grundlagen- und Therapieforschung durch neue Konzepte der Frühdiagnostik und präventiver Intervention bei chronischen und altersbedingten Erkrankungen geschlossen. Das UKSH wird die schleswig-holsteinische Exzellenzcluster-Initiative nach Kräften unterstützen.“

 

Kontakt:
Dr. Tebke Böschen
Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“
Tel.: 0431/880-4682
E-Mail: tboeschen (a) uv.uni-kiel.de


Hintergrundinformationen:
Noch bis Ende 2017 werden insgesamt 99 Forschungsprojekte im Rahmen der 2. Förderperiode der Exzellenzinitiative gefördert. Alle Projekte haben eine Anschlussfinanzierung bis zum 31.12.2018 erhalten um den Zeitraum für wissenschaftlich fundierte Anträge ausreichend lang zu gestalten. Bis zum 3. April 2017 müssen die Antragskizzen für die 3. Phase der Exzellenzstrategie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingereicht werden. Im September 2017 erfolgt die Einladung zur Antragstellung, die für Exzellenzcluster bis zum 19. Februar 2018 erfolgen muss. Am 20. September 2018 verkündet die DFG die Förderentscheidungen über die Anträge der Exzellenzcluster.



Der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces/Entzündungsforschung“ wird seit 2007 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit einem Gesamtbudget von 68 Millionen Euro gefördert; derzeit befindet er sich in der zweiten Förderphase. Die rund 300 Clustermitglieder an den insgesamt vier Standorten: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Lübeck (Universität zu Lübeck, UKSH), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) forschen in einem innovativen, systemischen Ansatz an dem Phänomen Entzündung, das alle Barriereorgane wie Darm, Lunge und Haut befallen kann.