Forschungszentrum Borstel
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Pressemitteilung

COPD: Patienten für eine klinische Studie zur Beatmungstherapie gesucht

Am Forschungszentrum Borstel wurde ein innovatives Beatmungsgerät für Patienten mit schwerer COPD entwickelt. Die ersten Ergebnisse waren so überzeugend, dass das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) die Finanzierung einer große klinischen Studie beschlossen hat, um die Wirksamkeit dieses Behandlungskonzeptes zu überprüfen. Fünf führende deutsche Lungenkliniken führen zusammen diese Studie durch, um die herkömmliche Beatmungstherapie mit der neu entwickelten „Lippenbremsen-Beatmung“ zu vergleichen. Ärzte in Hannover, Heidelberg, Lübeck, Großhansdorf und Borstel suchen hierfür Patienten mit schwerer COPD, die bereits eine Beatmungstherapie nutzen.

Die Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (engl. chronic obstructive pulmonary disease, COPD) ist eine Erkrankung der Atemwege. Sie geht im fortgeschrittenen Stadium mit Luftnot, Husten mit Auswurf und einer starken Einschränkung der Leistungsfähigkeit einher, die für betroffene Patienten und deren Angehörige stark belastend ist.

Ursache ist eine dauerhafte Entzündung der kleineren Atemwege. Die Schleimhaut der Bronchien und der kleineren Bronchiolen schwellen hierdurch an, verlieren ihre Stabilität und behindern den Luftfluss in den Atemwegen. Beim Ausatmen, wenn der Brustkorb kleiner wird, um die Luft aus der Lunge hinauszudrücken, verschließen sich diese verengten Atemwege weiter. Die Bewegung des Ausatmens drückt von außen auf die Atemwege und verschließt diese. Die Luft kann daher nur sehr langsam aus der Lunge entweichen, und Patienten müssen sich auf eine ruhige und langsame Ausatmung konzentrieren, um die „gefangene Luft“ in ihrer Lunge loszuwerden. Schon bei geringer körperlicher Belastung ist das jedoch nur schwer möglich. Dann sammelt sich noch mehr Luft in den Lungenbläschen, die immer schlechter abgeatmet werden kann. Medizinisch wird dies „dynamische Überblähung“ genannt.

Neben der medikamentösen Behandlung kennen Patienten mit COPD zudem eine Reihe verschiedener Atemtechniken, um den Kollaps der kleinen Bronchiolen zu verhindern. Weit verbreitet ist die sogenannte Lippenbremse. Bei der Ausatmung werden die Lippen geschürzt, als ob der Patient eine Kerze auspusten möchte. Die Luft kann nun nur noch langsam gegen den erhöhten Lippendruck ausströmen. Dieser erhöhte Druck pflanzt sich bis in die tiefen, entzündeten Atemwege fort und kann verschlossene Luftkanäle eröffnen. Die „gefangene Luft“ kann besser entweichen. Patienten fühlen sich weniger aufgeblasen und können freier atmen.

Diese Atemtechnik kann jedoch nur angewendet werden, wenn der Patient wach ist. Daher kann das Atmen mit Lippenbremse nur bei einem Bruchteil der gut 20.000 täglichen Atemzüge angewendet werden, denn dies erfordert Konzentration und Ruhe.

Für Patienten, deren COPD so schwerwiegend ist, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr ausreichend Luft ein- und ausatmen können, kann auch eine maschinelle Beatmungstherapie hilfreich sein. Solch eine „nicht-invasive“ Beatmungstherapie ist in der Lungenheilkunde seit vielen Jahren bekannt. Über eine Maske, die meist Mund und Nase abdeckt, soll die Atemmuskulatur in der Nacht entlastet werden. Das Beatmungsgerät übernimmt für den Patienten die Ein- und Ausatmung, die mit einem fest eingestellten Druck durchgeführt wird. Durch diese nächtliche Beatmung kann auch das giftige Kohlendioxid (CO2) besser abgeatmet werden, das sich bei Patienten mit schwerer Lungenschädigung oft im Blut ansammelt. Studien konnten belegen, dass Patienten mit einer gut eingestellten Beatmung länger leben können.

Allerdings ist die Beatmung für viele Patienten auch belastend. Ist ein hoher Beatmungsdruck für die Beatmung erforderlich, kann dies für den Patienten unangenehm sein. Morgens, beim Abnehmen der Beatmungsmaske, kommt es häufig zu starker Luftnot. Patienten empfinden möglicherweise, dass die Beatmungstherapie sie stark „aufpumpt“, wenn ein hoher Druck eingestellt ist.

Am Forschungszentrums Borstel wurde aus dieser Erfahrung ein Beatmungsgerät entwickelt, das die Atemtechnik der Lippenbremse nachahmt. Dr. Stephan Rüller, Arzt an der dortigen Medizinischen Klinik und Erfinder des Geräts, beschreibt das neue Prinzip so: „Wie bei der Lippenbremse sorgt das Vigaro Beatmungsgerät dafür, dass der Luftdruck in den kleinen Atemwegen immer groß genug ist, um einen Kollaps zu verhindern. Dadurch kann die Luft besser aus den Lungenbläschen entweichen. Nun kann mit viel weniger Beatmungsdruck neue Luft in die leeren Lungenbläschen strömen. Das empfinden viele Patienten als angenehm.“ Patienten, die das neue Gerät verordnet bekommen haben, berichten auch über eine Zunahme der Leistungsfähigkeit, da die Luftnot bei Belastung abnehme.

Weitere Informationen für Patienten zur Beatmungsstudie sind im Internet unter lippenbremse.fz-borstel.de zu finden.

Interessierte können sich an diese Zentren wenden:

Forschungszentrum Borstel
Leibniz Lungenzentrum
23845 Borstel
Tel. 04537-188-8080
lippenbremse (a) fz-borstel.de

LungenClinic Grosshansdorf
22927 Großhansdorf
Tel.: 04102-601-2001
d.guenzler (a) lungenclinic.de

Universitätsklinikum Lübeck
23538 Lübeck
Tel. 0451-500 45045
studienzentrum.pneumologie_infektiologie (a) uksh.de