Forschungszentrum Borstel
Forschungszentrum Borstel

Pressemitteilung

Die Pollensaison ist eröffnet!

Mikroskopische Aufnahme einer keulenförmige Spore des Alternaria Pilzes und einer Polle des Gänsefußes

Borstel, 11.02.2017. Obwohl der Winter noch nicht vorbei ist, beginnt für einige Allergiker bereits im Januar die Heuschnupfensaison. Grund dafür sind die Pollen der frühblühenden Bäume Haselnuss und Erle, die in einigen Teilen Deutschlands schon jetzt durch die Luft fliegen.  

Für das Team um Dr. Nestor Gonzalez vom Forschungszentrum Borstel ist die „Winterruhe“ damit ebenfalls vorbei, denn bereits seit dieser Woche wurden auf dem Klinikdach der Medizinischen Klinik des FZB die erste Pollenmessungen durchgeführt. Während in Berlin und im Nordwesten Deutschlands schon die ersten Pollen gemessen wurden, blieb die Pollenfalle in Borstel im Januar bislang jedoch noch leer: „Unsere Pollenmessstation befindet sich – im Gegensatz zu den meisten anderen Stationen des Netzwerks Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst – im ländlichen Bereich. Neben den regionalen Klimaunterschieden, sind die Temperaturen hier zu Beginn des  Frühlings teilweise geringer als im städtischen Gebiet. Dies könnte der Grund für die Verzögerung des Pollenflugs sein,“ so Dr. Nestor Gonzalez.

In Deutschland leiden ca. 15% der Bevölkerung zwischen  18 – 79 Jahren unter Heuschnupfen*, jedes 11. Kind ist mittlerweile davon betroffen. Immer häufiger entwickelt sich eine Pollenallergie dabei zum allergischen Asthma, vor allem wenn die Allergie bereits in frühen Jahren auftritt. Pollenflug und Pollenverbreitung sind regional und saisonal sehr unterschiedlich, und eine genaue Vorhersage über die Belastung ist für die Betroffenen von enormer Bedeutung. Um diese zu messen und daraus die Risiken der Belastung für Allergiker vorherzusagen, wurden in den letzten 30 Jahren deutschlandweit mehr als 50 Pollenmessstationen durch die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst installiert.

Die Pollenfalle am Forschungszentrum Borstel konnte dank der Finanzierung durch die „Schleswig-Holsteinische Gesellschaft zur Verhütung und Bekämpfung der Tuberkulose und der Lungenerkrankungen e.V.“ im letzten Jahr aufgestellt werden. Der Betrieb der Pollenfalle wird durch das FZB sichergestellt. Dr. Gonzalez und sein Team analysieren die Pollen und übermitteln  – nach einem einjährigen Testlauf - ab dieser Saison die gewonnen Daten an die Wetterdienste zur Aufbereitung der Pollenflugvorhersagen. Alle gewonnenen Messdaten gehen zudem in die Datenbank der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) und des Europäischen Polleninformationssystems (epi) zu Forschungszwecken ein.
Aber auch die Patienten aus der Region, die bei Prof. Dr. Uta Jappe in der Ambulanz für Allergologie an der Medizinischen Klinik in Behandlung sind, profitieren von der institutseigenen Pollenfalle: Durch die regionale Erfassung der spezifischen Pollen- und Sporenflugdaten kann die Diagnostik erheblich verbessert werden,  da man die Verursacher der Allergie besser und schneller eingrenzen und so die klinische Bedeutung der in Haut- und Bluttests nachgewiesenen Sensibilisierungen zeigen kann. Das erlaubt eine verbesserte Therapie dank gezielterer Verabreichung der „schuldigen“ Allergene in der allergenspezifischen Immuntherapie („Hyposensibilisierung“).

In dieser Saison stehen erstmalig auch Sporen im Fokus der Messungen. Neben der Auszählung der typischen Allergie hervorrufenden Pollenarten, werden ab diesem Jahr zusätzlich die Sporen des Alternaria-Pilzes in die Zählroutine aufgenommen. Dabei handelt es sich um einen saisonal vorkommenden Schimmelpilz, der in Sumpfgebieten, Wäldern und Gärten vorkommt und dort auf verrottenden Pflanzenteilen wächst. Unter optimalen Wachstumsbedingungen produziert dieser Pilz teilweise sehr hohe Sporenkonzentrationen, die dann über die Luft verbreitet werden. Alternaria-Sporen können bei den Betroffenen heuschnupfenähnliche allergische Reaktionen, wie z. B. Fließschnupfen, Husten, Niesanfälle, Nesselfieber oder Asthma auslösen. „In der letzten Saison hatten wir in Borstel teilweise sehr hohe Konzentration an Alternaria-Sporen in unserer Falle. Besonders viele davon haben wir von August bis Mitte Oktober gefunden,“ erläutert Dr. Nestor Gonzalez.  

*Quelle: Langen et al., Bundesgesundheitsblatt (2013) 56: 698-706

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.pollenstiftung.de/


Kontakt:
Dr. Nestor Gonzalez Roldan
Forschungsgruppe Allergobiochemie am Forschungszentrum Borstel
Email:        ngonzalez (a) fz-borstel.de
Telefon:    04537 188-2570