Forschungszentrum Borstel
Forschungszentrum Borstel

Programmbereich Infektionen

Klinische Infektiologie

Projekte

Thoraxaufnahme eines Patienten mit pulmonaler Tuberkulose
Thoraxaufnahme eines Patienten mit pulmonaler Tuberkulose

Tuberkulose ist eine der wichtigsten Infektionskrankheiten und steht in der Statistik der häufigsten Todesursachen weltweit an siebter Stelle.

Am Forschungszentrum Borstel nimmt die Tuberkulose Forschung eine zentrale Stellung ein und so hat sich Borstel zu einem der weltweit führenden Forschungszentren auf diesem Gebiet entwickelt.

M. tuberculosis spezifischer ELISPOT
M. tuberculosis spezifischer ELISPOT

Zur Diagnosestellung einer Tuberkulose tragen die Erhebung einer Infektionsanamnese, klinische sowie radiologische, mikrobiologische und histologische Untersuchungen bei. Sie können durch immunologische und molekularbiologische Analysen unterstützt werden. In letzter Zeit wurden bedeutende Fortschritte auf dem Gebiet der immunologischen Diagnostik erzielt. Neue Methoden erlauben eine bessere und schnellere Diagnosestellung der latenten Tuberkuloseinfektion. Hiervon sind Personen betroffen, die klinisch unauffällig, jedoch mit dem Erreger der Tuberkulose dem Mycobakterium tuberculosis (M.tuberculosis) infiziert sind und deshalb lebenslang das Risiko der Entwicklung einer aktiven Tuberkulose tragen. Die neu entwickelten Diagnosemethoden gewährleisten aber auch eine schnellere Diagnosestellung bei Patienten mit einer aktiven Tuberkulose, in deren Sputum mit konventionellen Methoden keine Erreger nachgewiesen werden konnten. Mit molekularbiologischen und/oder zellbiologischen Methoden kann M. tuberculosis direkt und indirekt in Proben aus dem Respirationstrakt von Patienten detektiert werden und darüber hinaus ist eine schnellere und eindeutige Abklärung von fraglichen Antibiotika Resistenzen der bakteriellen Erreger möglich. Weitere Methoden sind in der Entwicklung, die eine Optimierung der Diagnosestellung versprechen und somit eine schnellere und effiziente Therapie der Tuberkulose ermöglichen können.

Derzeitig gültige Leitlinien zur Therapie einer Tuberkulose sehen ein sechsmonatiges Behandlungsregime vor, in dem in einer Intensivphase zunächst vier verschiedene Antibiotika verabreicht werden. Es schließt sich eine Erhaltungsphase an, in der die Behandlung mit zwei weiteren Antibiotika fortgesetzt wird. Kostenintensiver und zeitaufwendiger stellt sich die Therapie einer multiresistenten (multidrug-resistant, MDR) oder einer so genannten extensiv-resistenten Tuberkulose (extensively drug-resistant, XDR) dar. Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) propagierte DOT- Programm (directly-observed treatment) ist eine umfassende Strategie zur Sicherung der erfolgreichen Behandlung von Tuberkulose-Kranken. Sie beinhaltet die Betreuung von Tuberkulose-Patienten von der Diagnosestellung bis zum Ende der langwierigen Therapie durch medizinische Fachkräfte. Es soll so sicherstellen, dass das Behandlungsprotokoll eingehalten und nicht abrupt abgebrochen wird, wenn sich eine Verbesserung des Allgemeinzustands einstellt. Die Gefahr der Entwicklung von MDR bzw. XDR-Tuberkulose durch Therapieunterbrechungen soll damit gering gehalten werden. Besonders dramatisch stellt sich Situation dar, wenn sich zu  einer M. tuberculosis Infektion eine Koinfektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) einstellt. Nicht selten kommt es hier zur Ausbildung einer MDR- oder XDR- Tuberkulose. Bei der globalen Ausbreitung der Tuberkulose spielt die Koinfektion mit HIV eine bedeutende Rolle.

Die Entwicklung neuer Medikamente gegen die bakteriellen Erreger der Tuberkulose ist notwendig, um die existierenden Behandlungsregime zu optimieren und neue effizientere Reagenzien zu erhalten, die zum einen die Behandlungsdauer verkürzen und zum anderen die Heilungschancen erhöhen.

Die Abteilung Klinische Infektiologie hat sich zum Ziel gesetzt die Behandlung der Tuberkulose zu verbessern und das Verständnis der Pathogenese speziell der Koinfektion mit HIV zu vertiefen. Es werden vor allem zell- und molekularbiologische Methoden angewendet, um  immunregulatorische Vorgänge als Antwort auf die Infektion mit Mycobakterien näher zu analysieren.  Die enge und intensive Zusammenarbeit zwischen klinischer Medizin und medizinischer Grundlagenforschung garantiert hier die zeitnahe Untersuchung des Zellmaterials, das durch die Aufarbeitung von Blut und/oder bronchoalveolären Lavagen gewonnen wird. Über die Grundlagen orientierte zellbiologische Forschung hinaus, werden translationale Studien zur Validierung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren durchgeführt. Ein hierfür notwendiges europäisches Netzwerk konnte 2006 von forschungsorientierten Medizinern, Mikrobiologen, Mykobakteriologen und Epidemiologen unter Mitwirkung der Abteilung Klinische Infektiologie gegründet werden. Das sogenannte TBNET (Tuberculosis Network European Trialsgroup)  hat zum Ziel, klinisch orientierte Forschung auf dem Gebiet der Tuberkulose in Europa voran zu treiben. Der Forschungsschwerpunkt der Abteilung für Klinische Infektiologie liegt nun in der internationalen Zusammenarbeit innerhalb dieses Netzwerks. TBNET bietet eine hervorragende Plattform von der aus die Planung, Organisation, Koordination und Auswertung von translationalen klinischen Studien europaweit durchgeführt werden kann. Das deutsche Koordinierungsbüro befindet sich  in der Medizinischen Klinik Borstel.

TBNET Jahrestagung 2009 in Wien
TBNET Jahrestagung 2009 in Wien

Forschungsschwerpunkte