Forschungszentrum Borstel
Forschungszentrum Borstel

Programmbereich Asthma und Allergie

Forschungsschwerpunkte des Programmbereichs Asthma & Allergie

Entsprechend der im Programmbereich vorhandenen Expertisen und vor dem Hintergrund der hohen Asthma-Prävalenz bereits im Kindesalter und der damit einhergehenden, häufig lebenslangen Behandlungsnotwendigkeit sowie der sehr großen Bedeutung von Exazerbationen sowohl für den individuellen Krankheitsverlauf als auch unter sozio-ökonomischer Sicht konzentriert sich der Programmbereich Asthma & Allergie auf folgende Aspekte der Erkrankung und setzt hier seine Forschungsschwerpunkte (Abb. 1):

  • die Krankheitsentstehung, d.h. die initiale Prägung des Krankheitsrisikos und die Auslösung der Erkrankung (Sensibilisierung und Übergang von gesund in asthmatisch bzw. allergisch) sowie
  • die Exazerbation, d.h. die bei manifester Erkrankung episodisch auftretende akute Symptomverschlechterung (Übergang von unter Therapie stabilem Asthma in eine Exazerbation)

Die Schwerpunktsetzung spiegelt sich u.a. auch in der Beteiligung an Forschungsverbünden mit hoher nationaler Bedeutung, wie z.B. Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL)1 und Strategischer Leibniz-Forschungsverbund "Medizintechnik: Diagnose, Monitoring und Therapie"2, wieder.

ABBILDUNG 1: Forschungsschwerpunkte des Programmbereichs Asthma & Allergie: Krankheitsentstehung, d. h. der Übergang von gesund in erkrankt; Exazerbation, d. h., der Übergang von einem unter Therapie kontrollierten in einen transient unkontrollierten Zustand der Symptomverschlimmerung.

Asthma und Allergien:
Volkskrankheiten von gesellschaftspolitischer Bedeutung in Deutschland

Allergien, die sich in der Lunge als allergisches Asthma bronchiale manifestieren, waren in der letzten Dekade des 20. Jahrhundert durch einen enormen Anstieg der Prävalenz gekennzeichnet.3 Weltweit wuchs die Zahl der Erkrankten auf etwa 300 Millionen an. Davon betroffen ist insbesondere die Bevölkerung der Industrienationen und zunehmend die von Schwellenländern wie China und Indien (Abb. 2). Obwohl sich dieser Zuwachs mittlerweile leicht abschwächt, geht die WHO davon aus, dass bis zum Jahr 2025 weitere 100 Millionen Neuerkrankte hinzukommen werden. Allergien gelten daher als die Epidemie des 21. Jahrhunderts mit Asthma als einer der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit.

ABBILDUNG 2: Prävalenz für "diagnostiziertes Asthma" weltweit (aus: Global Atlas of Asthma, 2013: S. 12) (4)

Asthma bronchiale, dessen phänotypische Vielfalt erst seit wenigen Jahren in der Forschung eingehender berücksichtigt wird5, beginnt häufig bereits im Kindesalter, betrifft aber grundsätzlich alle Altersgruppen mit entsprechend hoher Belastung der Gesundheitssysteme.

In Deutschland stieg die Lebenszeitprävalenz von Asthma bronchiale bei Frauen nach Angaben des „Weißbuch Lunge 2014“ von 2003 bis 2009 um 4 Prozentpunkte auf 10% an.Bei Männern wurde im selben Zeitraum ein Anstieg von 5,2% auf 8% festgestellt. Ähnliche bis teilweise deutlich höhere Prävalenzen werden für andere europäische Staaten angeben. Aufgrund der hohen Prävalenz des Asthma bronchiale in Deutschland und der Vielzahl an asthmabedingten Arbeitsunfähigkeitsfällen ist diese Erkrankung auch aus gesundheitsökonomischer Perspektive von besonderer Bedeutung“, stellt das Weißbuch Lunge 2014 fest. So werden die direkten Kosten allein in der EU auf jährlich 19,5 Milliarden Euro geschätzt, zu denen noch indirekte Kosten von geschätzt weiteren 14,4 Milliarden Euro hinzukommen (siehe auch Abb. 3)7.  Die für Deutschland im Jahr 2008 im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes erhobenen Daten belegen die Bedeutung von Allergien als Volkskrankheit, wobei allein durch Asthma bronchiale mit etwa 368.000 Arbeitsunfähigkeitstagen ähnliche sozio-ökonomische Folgen hervorgerufen werden wie z. B. durch Diabetes-mellitus-Typ-I und -II (etwa 394.000 Arbeitsunfähigkeitstage) oder chronisch-ischämische Herzkrankheiten (etwa 524.000 Arbeitsunfähigkeitstage).8 Trotz niedriger Mortalitätsrate verstarben in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt 1.014 Personen an Asthma bronchiale (ICD10: J45, J46) während im Vergleich hierzu 43 Sterbefälle aufgrund einer gesicherten TB der Atemorgane (ICD10, A15) verzeichnet wurden.

ABBILDUNG 3: Jährliche Kosten für kindliches Asthma in Mitteleuropa. Gelb: weniger als 100 Mio. €; Orange: zwischen 100 und 300 Mio. €; Rot: mehr als 300 Mio. € (aus: Global Atlas of Asthma, 2013: S. 20) (9)

Forschungsstrategie des Programmbereichs

Die Erforschung von Volkskrankheiten, zu denen Asthma und Allergien auf Grund der oben skizzierten großen sozio-ökonomischen Bedeutung in Deutschland zählen, ist erklärtes Ziel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).10  Dies kommt u.a. in der Einrichtung der Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung zum Ausdruck, an dessen Deutschem Zentrum für Lungenforschung (DZL) alle Forschungsgruppenleiterinnen und -leiter des Programmbereichs Asthma & Allergie als Principal Investigator (PI) maßgeblich beteiligt sind.11  Der Programmbereich ist zentraler Partner am DZL-Standort Airway Research Center North (ARCN), an dem die LungenClinic sowie das Pulmonary Research Institute in Großhansdorf, die Universitäten Kiel und Lübeck sowie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein beteiligt sind. Die u.a. mit der Beteiligung am DZL verfolgte Strategie des Programmbereichs zielt darauf ab, einen Fokus auf die sogenannte Translation zu legen, die nach dem Verständnis des BMBF darin besteht, dass „Ergebnisse aus der Grundlagen- und der klinischen Forschung in die medizinische Regelversorgung gelangen und Patienten von ihnen profitieren“.

Der Programmbereich Asthma & Allergie erachtet zwei Gebiete der so verstandenen Translation als besonders relevant für Patienten mit Asthma und Allergien:

Diese Sichtweise einer zweigliedrigen Translation hängt eng mit Implikationen zusammen, die sich aus der Beantwortung der Frage, für welche Aspekte bei Früherkennung, Diagnostik, Prävention oder Therapie von Asthma und Allergien noch keine ausreichenden Lösungen vorliegen, ergeben. Solche, sogenannten "unmet medical needs", von deren Lösung Asthma-Patienten jeglichen Alters besonders profitieren würden, bestehen nach dem Global Atlas of Asthma, der 2013 von der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) veröffentlicht wurde, in sehr unterschiedlichen Bereichen. Sie spannen sich von der Grundlagenforschung zur Aufdeckung phänotyp-spezifischer Unterschiede bei Pathomechanismen und Identifikation entsprechender Biomarker über die Verhinderung von Asthma-Exazerbationen bis hin zur Schulung von Patienten und weltweit vergleichbarer Sicherung des Zugangs zu den vorhande¬nen Behandlungsoptionen.13 

Translationale Asthma-Forschung, die gemeinsam mit der Medizinischen Klinik Borstel verfolgt wird, wird an folgenden Beispielen besonders sichtbar:

1 http://www.dzl.de/index.php/de/
2 http://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/leibniz-forschungsverbuende/medizintechnik-diagnose-monitoring-und-therapie/
3 Sembajwe G, Cifuentes M, Tak SW, Kriebel D, Gore R, Punnett L. National income, self-reported wheezing and asthma diagnosis from the World Health Survey. Eur. Respir. J. 2010; 35: 279–286.
4 CA Akdis, I Agache (edts.) (2013) Global Atlas of Asthma. European Academy of Allery and Clinical Immunology
5 J Lötvall et al. (2011) Asthma endotypes: a new approach to classification of disease entities within the asthma syndrome. J Allergy Clin Immunol; 127:355-60.
6 A Gillissen, T Welte (edts.) (2014) Weißbuch Lunge 2014 – Die Lunge und ihre Erkrankungen: Zur Lage und Zukunft der Pneumologie in Deutschland. FRISCHTEXTE Verlag, Herne.
7  European Lung White Book – Respiratory Health and Disease in Europe (2013), European Respiratory Society and European Lung Foundation (publishers), http://www.erswhitebook.org
8  Böcking C, Renz H, Pfefferle PI (2012) Prävalenz und sozioökonomische Bedeutung von Allergien in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt, 55:303-307.
9 Daten aus: van den Akker-van Marle ME, Bruil J, Detmar SB (2005) Evaluation of cost of disease: assessing the burden to society of asthma in children in the European Union. Allergy 60:140-9.
10  http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/3794.php
11  http://www.dzl.de/index.php/en/research/disease-areas/asthma-and-allergy
12  http://www.strategieprozess-medizintechnik.de/
13  Akdis CA (2013) Unmet medical needs. Pp. 106-8 in CA Akdis, I Agache (edts.) Global Atlas of Asthma. European Academy of Allery and Clinical Immunology
 

Program Director

Susanne  Krauss-Etschmann

Prof. Dr. Susanne Krauss-Etschmann

04537 - 188 - 5850

Deputy Director

Uta  Jappe

Prof. Dr. Uta Jappe

04537 - 188 - 7406
04537 - 188 - 6030

Assistent

Jutta  Passarger

Jutta Passarger

04537 - 188 - 2090
04537 - 188 - 2091