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Pressenotiz

Erklärung der externen Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegenüber Publikationen aus der Laborgruppe "Immunbiologie" am Forschungszentrum Borstel

Aufgrund von Vorwürfen über mögliches wissenschaftliches Fehlverhalten innerhalb der Laborgruppe "Immunbiologie" des Forschungszentrums Borstel (FZB) wurde nach vorheriger interner Vorprüfung (Ombudsverfahren) im Mai 2010 eine externe und unabhängige wissenschaftliche Untersuchungskommission eingerichtet. Gleichzeitig wurden die Repräsentanten von Kuratorium, Stifterversammlung und Wissenschaftlichem Beirat des FZB, Leibniz Gemeinschaft, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Medizinischen Fakultäten der Universitäten Lübeck und Kiel sowie die Editoren der Zeitschriften, in denen die inkriminierten Artikel erschienen sind, hierüber informiert. Die Kommission hat von Juni bis November 2010 durch Sichtung von Originaldatensätzen 13 Manuskripte von insgesamt 22 Originalpublikationen, die aus der Laborgruppe „Immunbiologie“ aus den Jahren 2001-2010 in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, analysiert. Bei 8 der untersuchten 13 Veröffentlichungen waren Dr. E. Bulanova und Dr. V. Budagian als Erst- bzw. Zweitautor aufgeführt; weitere 3 Arbeiten mit Dr. V. Budagian und Dr. E. Bulanova als Erst- bzw. Zweit- oder Koautor aus den Jahren 2001-2010 wurden von der Kommission nicht analysiert.

Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass es innerhalb der Laborgruppe "Immunbiologie" über Jahre hinweg zu wissenschaftlichem Fehlverhalten gekommen ist. In 6 von insgesamt 8 der analysierten Publikationen, bei denen die beiden ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter, Dr. E. Bulanova und Dr. V. Budagian, als Erstautoren zeichneten, wurde Manipulation von Abbildungen festgestellt, d.h. die Manipulation der Wiedergabe von wissenschaftlichen Ergebnissen. Datenfälschungen im Sinne des "freien Erfindens" von Resultaten liegen nicht vor. Aufgrund der primären Verantwortlichkeit der Erstautoren bei Datenerhebung und Datenpräsentation im Rahmen einer wissenschaftlichen Veröffentlichung tragen diese beiden Erstautoren dieser Publikationen wesentliche Verantwortung für das wissenschaftliche Fehlverhalten.


Drei der 6 beanstandeten Publikationen weisen als Corresponding Author E. Bulanova aus, die drei übrigen beanstandeten Publikationen S. Bulfone-Paus als Corresponding Author. Aufgrund der besonderen Verantwortung bei Finalisierung und Einreichung wissenschaftlicher Publikationen muss von einer mangelnden Wahrnehmung der Kontrollpflicht der korrespondierenden Autorinnen ausgegangen werden. Diese tragen somit wesentliche Verantwortung für das wissenschaftliche Fehlverhalten.

Die 6 beanstandeten Veröffentlichungen sind unter der Seniorautorenschaft von Prof. Dr. Bulfone-Paus entstanden, die in dem untersuchten Zeitraum die Funktion der Leiterin der Laborgruppe "Immunbiologie" wahrnahm. Die Kommission ist der Auffassung, dass von einer mangelnden Wahrnehmung der  Aufsichtspflicht der Seniorautorin/Arbeitsgruppenleiterin ausgegangen werden muss, auch wenn es sich bei den Erstautoren der beanstandeten Publikationen um erfahrene Wissenschaftler handelt. Die Seniorautorin/Arbeitsgruppenleiterin trägt daher in dieser Funktion auch eine wesentliche Verantwortung für das wissenschaftliche Fehlverhalten innerhalb ihrer Arbeitsgruppe.

Unbeschadet der festgestellten Manipulationen scheinen die wissenschaftlichen Kernaussagen der betroffenen Publikationen Bestand zu haben. Wissenschaftliches Fehlverhalten wurde nicht als generelles Phänomen innerhalb der Laborgruppe "Immunbiologie" festgestellt. Bei keiner der beanstandeten Publikationen haben sich Hinweise auf eine Verantwortlichkeit der beteiligten Ko-Autoren für das wissenschaftliche Fehlverhalten ergeben.