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Pressemitteilung

ExplainTB – Eine neue App klärt Patienten über Tuberkulose auf

Tuberkulose (TB) gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten weltweit und stellt vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern eine große Bedrohung dar. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich ca. 8,7 Millionen Menschen an Tuberkulose - allein 2011 starben daran 1,4 Millionen Menschen. TB ist eine bakterielle Erkrankung. Der Erreger Mycobacterium tuberculosis wird von Menschen, die an einer aktiven Tuberkulose leiden, über die Atemluft an andere Menschen übertragen. Neben der sofortigen Behandlung der Erkrankten, ist die flächendeckende Aufklärung ein ebenso wichtiger Punkt bei der Bekämpfung dieser Krankheit. Dr. med. Christian Herzmann vom Forschungszentrum Borstel hat eine App entwickelt, die genau hier ansetzt und Patienten und Angehörigen weltweit helfen kann.

Patienten, die an einer aktiven Tuberkulose erkranken, haben einen langen Behandlungsweg vor sich: Die Standard-Therapie erstreckt sich über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten. In dieser Zeit muss der Patient eine Kombination aus mehreren Antibiotika zu sich nehmen. Die Therapie findet meist stationär im Krankenhaus statt. Um Ansteckungen zu verhindern, muss der Betroffene in den ersten Wochen der Behandlung isoliert werden.  Hinzu kommt, dass vor allem in den Ländern Osteuropas und den Unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion (NUS) multiresistente TB-Erregerstämme auf dem Vormarsch sind.  Die Behandlungserfolge dieser Formen sind erheblich eingeschränkt und beinhalten häufig eine  verlängerte Therapie, die bis zu 20 Monate andauern kann.

Eine belastende Situation, die noch verstärkt wird, wenn die Erkrankten nicht verstehen, was mit Ihnen passiert. Und dies ist häufig der Fall:  Viele der Patienten in Mittel- und Westeuropa können sich mit dem Arzt nicht verständigen, etliche sind Analphabeten. Konventionelle Aufklärungsmaterialien oder ein ärztliches Gespräch können nicht verwendet werden, um die Betroffenen und ihre Familien über die Erkrankung aufzuklären. Auch fremdsprachiges schriftliches Informationsmaterial ist nicht immer verfügbar oder spiegelt nicht die Situation des Patienten wider. „Nicht selten gibt es bei der Behandlung der Tuberkulose auch in Deutschland große Sprachbarrieren. Wir Ärzte wissen oft nicht, was die Patienten wissen, und es ist für uns auch häufig sehr schwierig, die Patienten über den Verlauf einer Tuberkulose-Erkrankung zu informieren. Daher war es für uns sehr naheliegend, alle wichtigen Fakten zu dieser gefährlichen Erkrankung in vielen Sprachen zugänglich zu machen. Vor allem auch für die Menschen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion stehen diese Informationen jetzt zur Verfügung – in Schrift und Ton“, erläutert Dr. med. Christian Herzmann, der Initiator des Projektes ExplainTB.

Gemeinsam mit seinem Team hat Dr. med. Christian Herzmann eine smartphone-basierte App entwickelt, die in mittlerweile 26 Sprachen verfügbar ist und anhand von kurzen Filmen und bilingualen Aufklärungsmaterialien über die Erkrankung, die Symptome, Übertragungswege und Komplikationen einer TB-Infektion informiert. Diese mobile Applikation für Smartphones ist kostenlos und weltweit rund um die Uhr abrufbar. "Die Videos dienen der Aufklärung und Information von Tuberkulosepatienten und Angehörigen in ihrer Muttersprache, um die Krankheit zu verstehen und die Ansteckung zu verhindern. Außerdem kann die sofortige Verfügbarkeit der Videos auch die Arbeit von Ärzten, Pflegern, Sozialarbeitern etc. erleichtern. Das bisherige frustrane Gestikulieren „mit Händen und Füßen“ entfällt dadurch", fasst Herzmann zusammen.
Für die Zukunft sind weitere Sprachversionen geplant. Da es kein vergleichbares Projekt gibt, war und ist die Finanzierung dieses Projektes schwierig und konnte bisher nur mittels crowdfunding, also durch Spenden von Privatpersonen, realisiert werden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.explaintb.org