Pressemitteilungen 2019

Management der Antibiotika-resistenten Tuberkulose

Antibiotika-resistente Mikroorganismen erschweren die Behandlung vieler Infektionskrankheiten. Auch bei der Tuberkulose steigt er Anteil multiresistenter Erreger weltweit immer weiter an. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift THE LANCET berichten Professor Christoph Lange und Dr. Dumitru Chesov aus dem Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum gemeinsam mit einem Team internationaler Experten über neue Diagnose- und Behandlungsstrategien für das Management der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB), um Behandlungsergebnisse für die Patienten zu verbessern.

 In den letzten Jahren hat die Zahl der Tuberkulosepatienten, die mit so genannten „multiresistenten“ Mycobacterium tuberculosis Erregern infiziert sind, weltweit zugenommen. Bei der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) sind die besten Medikamente zur Behandlung der Tuberkulose, Rifampicin und Isoniazid, nicht mehr wirksam. Weltweit haben 4,6% der TB-Patienten eine MDR-TB, aber in einigen Gebieten, wie Kasachstan, Kirgisistan, der Republik Moldau und der Ukraine, übersteigt dieser Anteil 25%. Die Behandlung von Patienten mit einer MDR-TB ist langwierig und kompliziert, die meisten der behandelten Patienten müssen die Therapie im Verlauf wegen Nebenwirkungen der Medikamente ändern. Im Gegensatz zur Antibiotika-empfindlichen Tuberkulose, bei der die Heilungschancen bei >80% liegen, werden nur ca. 50% der behandelten Patienten mit einer MDR-TB weltweit geheilt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden von geschätzten 558.000 Patienten mit einer MDR-TB allerdings nur ca. 7% erfolgreich behandelt. Die meisten Patienten werden zu spät erkannt oder haben keinen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten.

Auf der Liste der Länder mit den meisten Patienten mit einer MDR-TB in der EU steht Deutschland an 3. Stelle. An der Medizinischen Klinik des Leibniz Lungenzentrums in Borstel, (klinische Tuberkuloseeinheit des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung; ClinTB), werden jährlich ca. 1/3 aller MDR-TB Patienten in Deutschland behandelt. Durch eine individualisierte MDR-TB-Behandlung, die sich an umfangreichen genotypischen und phänotypischen Empfindlichkeitsprüfungen orientieren, unterscheiden sich hier die Behandlungsergebnisse der Patienten mit einer MDR-TB nicht mehr von denen mit einer Antibiotika-empfindlichen Tuberkulose. In klinischen Studien werden derzeit verschiedene Behandlungsregime mit neuen Medikamenten und Biomarker evaluiert, mit dem Ziel, die Dauer der Behandlung der MDR-TB zu verkürzen.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Christoph Lange
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum
T +49 4537 188 3320/1
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Publikation:

Lange C et al. Management of drug-resistant tuberculosis. Lancet 2019; 394: 953–66