08.06.2026
Arzneimittelresistente Tuberkulose bedroht Kinder in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen
Eine umfassende globale Analyse zeigt einen deutlichen Anstieg von DR-TB bei Kindern. Besonders Mädchen sind einem erhöhten Sterberisiko ausgesetzt, was auf erhebliche Versorgungslücken bei Diagnostik, Behandlung und beim gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsversorgung hindeutet.
Eine Studie eines internationalen Forschungskonsortiums aus China, den Vereinigten Staaten und Deutschland, die auf Daten der Global Burden of Disease-Studie aus 204 Ländern basiert, zeigt, dass die Zahl der Fälle von multiresistenter bzw. Rifampicin-resistenter Tuberkulose (MDR/RR-TB) bei Kindern zwischen 1990 und 2021 um mehr als das Dreifache gestiegen ist. Gleichzeitig nahmen die Fälle von XDR-TB im gleichen Zeitraum um mehr als das 34-Fache zu. Auch die Zahl der Todesfälle infolge dieser schweren Krankheitsformen stieg deutlich an und unterstreicht die wachsende globale Bedrohung durch Tuberkulose für Kinder.
Zwar ist die Gesamtzahl der Tuberkulosefälle im Kindesalter in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt zurückgegangen, jedoch machen arzneimittelresistente Formen einen zunehmenden Anteil der Infektionen und Todesfälle aus. Besonders stark betroffen sind Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, vor allem in Südasien, Subsahara-Afrika sowie in Teilen Osteuropas und Zentralasiens.
Besorgniserregend ist zudem, dass Mädchen laut der Studie durchgehend höhere Erkrankungs- und Sterberaten aufweisen als Jungen. Darüber hinaus wurde bei ihnen ein schnellerer Anstieg arzneimittelresistenter Erkrankungen beobachtet. Die Forschenden führen diese Unterschiede unter anderem auf strukturelle Ungleichheiten beim Zugang zu Ernährung, Gesundheitsversorgung und früher Diagnostik sowie auf eine erhöhte Vulnerabilität im Zusammenhang mit HIV-Exposition und sozialer Benachteiligung zurück.
Kinder unter fünf Jahren bleiben die am stärksten gefährdete Altersgruppe. Sie machen nahezu die Hälfte aller Erkrankungsfälle und mehr als drei Viertel der Todesfälle durch arzneimittelresistente Tuberkulose aus. Trotz globaler Initiativen zur Verbesserung des Zugangs zu Behandlungen erhielt bis 2022 jedoch nur etwa jedes fünfte Kind mit MDR/RR-TB eine angemessene Therapie. Die Mehrheit der betroffenen Kinder blieb somit unbehandelt oder wurde nicht erfasst.

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Christoph Lange
DZIF TTU TB (ClinTB)
T +49 4537 / 188-3010 (Sekretariat)
F +49 4537 / 188-6030
clange@fz-borstel.de
„Die derzeitigen Strategien zur Tuberkulosebekämpfung sind weitgehend auf Erwachsene ausgerichtet und berücksichtigen die besonderen Bedürfnisse von Kindern nicht. Ohne gezielte Investitionen in kindgerechte Diagnostik, neue Medikamente und einen geschlechtergerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung wird das Ziel, Todesfälle durch Tuberkulose im Kindesalter zu beenden, kaum zu erreichen sein. Unsere Ergebnisse unterstreichen den dringenden Bedarf an verstärkten globalen Maßnahmen zur Verbesserung der Früherkennung pädiatrischer Tuberkulose, zur Ausweitung der Behandlungsmöglichkeiten und zur gezielten Berücksichtigung der bislang unterschätzten Risiken für Mädchen weltweit“, betont Prof. Christoph Lange, Medizinischer Direktor am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum und einer der Seniorautoren der Studie.
Publikation:
Liu X, Mijiti P, Xia L, LaCourse SM, Talafuhan W, Kay AW, Yang Y, Liu H, Ye D, Martinez L, Lu S, Shen A, Mandalakas AM, Li F, Lange C, Huang Z. Global burden of drug-resistant tuberculosis in children: A systematic analysis for the Global Burden of Disease Study. Eur Respir J. 2026 Jun 4:2501648. doi: 10.1183/13993003.01648-2025. Epub ahead of print. PMID: 42242755.