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Ein Patient in Namibia erhält seine Tagesration an Tuberkulose-Medikamenten. © Christoph Lange

12.01.2026

Nicht-invasive Diagnostik der Tuberkulose aus Atemschutzmasken

    Die Diagnose der pulmonalen Tuberkulose (TB) beruht bislang überwiegend auf Sputumproben. Doch nicht alle Patientinnen und Patienten sind in der Lage, ausreichend Sputum zu produzieren. Eine nun veröffentlichte prospektive Studie zeigt, dass das sogenannte Face-Mask-Sampling (FMS) eine vielversprechende, nicht-invasive Ergänzung zur bisherigen Diagnostik darstellen kann. Das Manuskript wurde im Fachjournal Clinical Microbiology and Infection (CMI) veröffentlicht.

    Die Studie wurde am „Chiril Draganiuc“ Institute of Pneumology in Chișinău, Republik Moldau, unter Leitung von Ass. Prof. Dumitru Chesov und Dr. Thomas Theo Brehm von der Forschergruppe Klinische Infektiologie am Forschungszentrum Borstel gemeinsam mit lokalen PartnerInnen durchgeführt. Hierfür reiste der Erstautor, Medizinstudent Dariusz Wölk vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, für ein Jahr nach Chisinau. Die Promotion wurde durch ein MD-Stipendium des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) gefördert.

    Im Laufe eines Jahres wurden 117 erwachsene Patientinnen und Patienten mit vermuteter oder bestätigter Lungentuberkulose untersucht. Während des Face-Mask-Samplings trugen die Teilnehmenden speziell angepasste FFP2-Masken, die am Forschungszentrum Borstel selbst hergestellt wurden. Die Idee dazu hatte Lennard Meiwes, Medizinstudent von der Universität Lübeck und ebenfalls DZIF MD Stipendiat, der im vergangenen Jahr bereits entsprechende Untersuchungen zur Diagnose der Lungentuberkulosen bei Kindern in der Republik Moldau durchführte. Um handelsüblicher FFP2-Masken mit Streifen aus Polyvinylalkohol (PVA) zu präparieren kaufte die Gruppe bei ebay einen 3-D Drucker. Die gedruckten PVA Streifen wurden anschließend an der Innenseite der Masken befestigt. Sie dienen dazu, Erbsubstanz (DNA) der Tuberkulosebakterien aus der Atemluft aufzufangen. Nach dem Tragen wurden die PVA-Streifen aus den Masken entnommen, aufgelöst und anschließend mit dem molekularen Schnelltest Xpert MTB/RIF Ultra auf das Vorhandensein der Erbsubstanz analysiert.

    Bei knapp 60% der mikrobiologisch bestätigten Fälle konnte DNA der Bakterien in den Maskenproben nachgewiesen werden. Besonders relevant ist der additive Nutzen: Bei 6% der Patientinnen und Patienten bei denen die Diagnose der Lungentuberkulose durch den kulturellen Nachweis der Erreger aus dem Sputum gelang, war der molekulargenetische Nachweis der DNA der Tuberkulosebakterien ausschließlich aus der Maske, nicht jedoch aus dem Sputum möglich. Damit könnte das Verfahren zusätzliche, schnell verfügbare diagnostische Informationen liefern, die mit etablierten Methoden allein nicht erfasst worden wären.

    Kontakt

    Stefan Niemann

    Prof. Dr. med. Dr. h.c. Christoph Lange

    DZIF TTU TB (ClinTB)
    T +49 4537 / 188-3010 (Sekretariat)
    F +49 4537 / 188-6030
    clange@fz-borstel.de

    „Unsere Daten zeigen, dass Face-Mask-Sampling in ausgewählten klinischen Situationen einen relevanten Zusatznutzen haben kann: Bei etwa einer von 18 Personen mit Lungentuberkulose konnten Tuberkulosebakterien in der  der FFP2-Maske, nicht jedoch im Sputum nachgewiesen werden. Damit könnte das Verfahren die etablierte Tuberkulosediagnostik sinnvoll ergänzen. Face-Mask-Sampling reiht sich damit in eine wachsende Zahl neuer, nicht-invasiver diagnostischer Ansätze ein, die das Potenzial haben, die frühzeitige Identifikation von Tuberkulose zu verbessern und zusätzliche Patientinnen und Patienten rasch einer Therapie zuzuführen", kommentiert Dr. Thomas Theo Brehm, einer der Letztautoren der Studie von der DZIF Infrastruktur ClinTB am Forschungszentrum Borstel.

    Publikation: Woelk D, Meiwes L, Ciobanu N, Crudu V, Comanac AM, Kulcitkaia S, Vasiliu A, Mandalakas AM, Lange C, Brehm TT, Chesov D. Non-invasive diagnosis of pulmonary tuberculosis using face mask sampling: A prospective study in adults. Clin Microbiol Infect 2025 (online ahead of print) https://doi.org/10.1016/j.cmi.2025.12.017

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