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21.07.2026

Neue Studie belegt hohes Tuberkulose-Risiko bei Kindern und Jugendlichen, die als Migranten nach Europa kommen

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum hat die erste umfassende systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse vorgelegt, in der das Risiko an einer Tuberkulose (TB) zu erkranken bei Kindern und Jugendlichen die als Migranten nach Europa kommen untersucht wird. Die von Fachleuten der Tuberculosis Network European Trialsgroup (TBnet) und der Paediatric Tuberculosis Network European Trials Group (ptbnet) durchgeführte Studie verdeutlicht den dringenden Bedarf an einheitlichen Screening- und Versorgungsstandards in Europa.

Durch die Analyse von Daten aus 25 Studien mit mehr als 11.000 Kindern und Jugendlichen, die in Länder der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftsraums und in das Vereinigte Königreich eingereist waren, stellten die Forschenden fest, dass bei etwa jedem zehnten Kind Hinweise auf eine Infektion mit M. tuberculosis vorlagen. Bei nahezu einem von hundert Kindern wurde zum Zeitpunkt des Screenings eine aktive Tuberkulose festgestellt. Bei unbegleiteten Minderjährigen war die Prävalenz einer Tuberkuloseinfektion fast dreimal so hoch wie bei Kindern, die gemeinsam mit ihren Familien reisten. Dies unterstreicht die besondere Schutzbedürftigkeit dieser Gruppe.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass diese Kinder überproportional stark von Tuberkulose betroffen sind und bei Prävention, frühzeitiger Diagnose und Behandlung als besonders wichtige Zielgruppe berücksichtigt werden sollten. Unbegleiteten Minderjährigen muss dabei besondere Aufmerksamkeit gelten“, sagte die Erstautorin Dr. Anca Vasiliu von der Forschergruppe Klinische Infektiologie am Forschungszentrum Borstel.

Die Ansätze für das Tuberkulose-Screening bei Kindern und Jugendlichen, die als Migranten einreisen unterscheiden sich erheblich zwischen den europäischen Ländern. Einige Länder stützen sich ausschließlich auf die Erfassung von Symptomen, während andere Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs oder immunologische Tests einsetzen. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass dringend evidenzbasierte und europaweit einheitliche Empfehlungen erforderlich sind, um allen nach Europa kommenden migrantischen Kindern einen gleichberechtigten Zugang zu einer zeitnahen Diagnose und präventiven Behandlung zu gewährleisten.

Kontakt

Dr. med. Anca Vasiliu MD PhD

Dr. med. Anca Vasiliu MD PhD

T +49 4537 / 188-3270
avasiliu@fz-borstel.de

 

 

Die Studie liefert die bislang aussagekräftigsten Erkenntnisse zum Tuberkulose-Risiko bei Kindern und Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund in Europa. Zugleich bildet sie die wissenschaftliche Grundlage für eine internationale Konsenserklärung, die derzeit von TBnet und ptbnet erarbeitet wird.

Publikation: Vasiliu A, Kunst H, Hovardovska O, Fredricks K, Konstantynovska O, Lange B, Bockey A, Götzinger F, Buonsenso D, Basu-Roy R, Velizarova S, Tsolia M, Noguera-Julian A, Ritz N, Caminero JA, Tebruegge M, Lange C, Mandalakas AM, Brinkmann F.Tuberculosis in migrant children and adolescents in Europe: A joint TBnet and ptbnet systematic review and meta-analysis. Clin Microbiol Infect. 2026 Jul 17:S1198-743X(26)00381-2. doi: 10.1016/j.cmi.2026.07.014. Epub ahead of print. PMID: 42468846.

 

 

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