05.03.2026
3. Präsenztreffen des PANGenS-Konsortiums
Radisson Blu Hotel, Maputo, Mosambik, 10.–12. Februar 2026
Zum dritten Präsenztreffen des Panafrikanischen Netzwerks für die genomische Überwachung armutsbedingter Krankheiten und neu auftretender Krankheitserreger („Pan-African Network for Genomic Surveillance of Poverty Related Disease and Emerging Pathogens (PANGenS)“) kamen vom 10. bis 12. Februar 2026 Wissenschaftler:innen, Ärzte und Ärztinnen und Vertreter:innen der Gesundheitssysteme aus zwölf Afrikanischen und drei Europäischen Ländern in Maputo, Mosambik, zusammen. Seit Sommer 2023 arbeitet das Konsortium daran genombasierte Überwachung für Tuberkulose, Malaria und HIV in Ländern Sub-Sahara Afrikas (Ghana, Mosambik, Namibia, Tansania, Gabon, Nigeria, Benin, Gambia, Südafrika, Sierra Leone, Togo und Liberia) aufzubauen. Das Treffen markierte einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg dieses Ziel zu erreichen und zeigte wie dieses Konsortium aus verschiedensten Partnern über die Jahre zusammengewachsen ist und die öffentliche Gesundheitsforschung in den Partnerländern gestärkt wurde.
Die offizielle Eröffnungszeremonie wurde vom Generaldirektor des Instituto Nacional De Saúde (INS), Dr. Eduardo Samo Gudo Jr., geleitet. Das INS ist das nationale Institut für öffentliche Gesundheit in Mosambik und engagiert sich in Forschung, Überwachung und Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung. In seiner Ansprache betonte Dr. Eduardo Samo Gudo Jr., dass Tuberkulose (TB) in Mosambik nach wie vor eine erhebliche Herausforderung für die öffentliche Gesundheit darstellt. Er wies darauf hin, dass allein im ersten Halbjahr 2025 fast 48.000 neue Tuberkulosefälle im Land registriert wurden, wobei die jährlichen Schätzungen bei etwa 120.000 Fällen liegen. Er stellte die Relevanz von PANGenS für die umfassenden globalen Herausforderungen heraus, insbesondere mit dem Klimawandel und dessen Einfluss auf Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Malaria. Er empfahl, den Klimawandel in die Diskussionen und die strategische Planung des Konsortiums für das laufende Jahr einzubeziehen.
Diese strategische Aktualisierung wurde von den Koordinatoren, Prof. Stefan Niemann vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum in Deutschland und Prof. Dorothy Yeboah-Manu, Direktorin des Noguchi Memorial Institute for Medical Research (NMIMR) der Universität von Ghana in ihren Eröffnungsreden aufgenommen. Die Koordinatoren blickten zudem auf die seit dem Projektstart im Juli 2023 erzielten Fortschritte zurück und skizzierten strategische Prioritäten zur weiteren Stärkung der aufgebauten Kapazitäten im Bereich der genomischen Epidemiologie in den zwölf afrikanischen Ländern.
Höhepunkte des wissenschaftlichen Programms
Das wissenschaftliche Programm umfasste hochkarätige Präsentationen und Diskussionen zu innovativen Ansätzen der genomischen Überwachung:
- Sébastien Gagneux vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut hielt einen Hauptvortrag zum Thema „Molekulare Überwachung von Multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB): Die Rolle der Epistase“. Er beschrieb die Rolle verschiedener Gene bei der Ausprägung von Eigenschaften des TB-Erregers Mycobacterium tuberculosis. Epistase ist ein bekanntes Phänomen aus der Genetik, dass ein Gen die Wirksamkeit eines anderen Gens beeinflussen kann. Die Veränderung eines Gens (Mutation) kann somit auch die Wirkung des anderen nicht veränderten Gens beeinflussen bzw. eine Kombination von Mutationen kann eine völlig veränderte Eigenschaft des Bakteriums zur Folge haben. Bei den Erregern der TB konnte gezeigt werden, dass epistatische Wechselwirkungen die Fitness eines Bakteriums erhöhen obwohl einzelne Mutationen eher einen Nachteil für das Bakterium darstellen. Diese Ausführungen zeigten welche wichtige Rolle die genombasierte Epidemiologie in der Tuberkulosebekämpfung spielen kann.
- Shaheed Vally Omar vom National Institute for Communicable Diseases (NICD) in Südafrika sprach zum Thema „Bedaquilin-Resistenzentwicklung und gezielte Next-Generation-Sequenzierung (tNGS) in Südafrika“ und zeigte auf, wie moderne genombasierte Technologien die Tuberkuloseüberwachung verändern und Resistenzüberwachungssysteme stärken. Bedaquilin gilt als ein moderner Hoffnungsträger gegen schwer behandelbare TB. Neuere Studien, unterstützt durch moderne Sequenziertechnologien, zeigen, dass die Wirksamkeit von Bedaquilin durch epistatische Effekte beeinflusst werden kann. Mutanten des TB-Erregers, die solche Eigenschaften tragen, haben bereits zunächst unbemerkt Infektionsgeschehen in afrikanischen Ländern ausgelöst.
Diese Vorträge zeigten, wie wichtig genomische Werkzeuge sind, um Resistenzen früh zu erkennen, Übertragungswege nachzuvollziehen und gezielte Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit zu entwickeln.
Berichte von den einzelnen Studienstandorten
Während der anschließenden Studienstandortberichte, in denen die Partner über Fortschritte, Herausforderungen und strategische Erkenntnisse aus ihren jeweiligen Kontexten berichteten, wurden messbare Fortschritte bei der Implementierung der genomischen Überwachung deutlich. Ebenso wurde das Fortschreiten des Ausbaus der Laborkapazitäten berichtet, besonders hervorzuheben ist die länderübergreifende Zusammenarbeit sowohl in der Überwachung von arzneimittelresistenter Tuberkulose als auch von Malaria. Diese Aktualisierungen unterstrichen den integrierten und multidisziplinären Ansatz des Konsortiums zur Stärkung der genomischen Epidemiologie in ganz Afrika.
Strategische Überlegungen und Ausblick
Die Teilnehmenden der Jahrestagung des PANGenS- Netzwerks waren sich einig, dass klimabedingte Notfälle – wie die jüngsten Überschwemmungen in Mosambik – die Dringlichkeit resilienter Laborsysteme, eines zeitnahen Datenaustauschs und koordinierter Überwachungsmechanismen unterstreichen. Das Konsortium bekräftigte sein Engagement, klimasensible Aspekte in laufende und zukünftige Aktivitäten zu integrieren.
Das dreitägige Treffen des PANGenS-Konsortiums brachte alle 16 Partnerinstitutionen zusammen und war geprägt von intensivem wissenschaftlichem Austausch und verstärkter Zusammenarbeit. Das Netzwerk bekräftigte sein Engagement für die genomische Überwachung arzneimittelresistenter Tuberkulose und Malaria, den Kapazitätsaufbau in den teilnehmenden Ländern sowie die Förderung nachhaltiger Partnerschaften zwischen Afrika und Europa.
PANGenS wird von Global Health EDCTP3 unterstützt und von der Europäischen Union kofinanziert. Diese Unterstützung ermöglicht kontinentübergreifende Kooperation, Innovationen und nachhaltige Kapazitätsentwicklung, um den Herausforderungen arzneimittelresistenter Infektionskrankheiten wirksam zu begegnen.

