01.07.2026
Doppelter Erfolg für Borsteler Mykobakterienforschung auf dem ESM-Kongress
Gleich zwei Wissenschaftlerinnen des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) sind auf dem diesjährigen Kongress der European Society of Mycobacteriology (ESM) in Verona ausgezeichnet worden: Dr. ir. Margo Diricks erhielt Gertrud-Meissner-Preis 2026, Dr. Viola Dreyer wurde mit einem Posterpreis geehrt.
wurde mit einem Posterpreis geehrt.
Die ESM vergibt den mit 2000 Euro dotierten Gertrud-Meissner-Preis jährlich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase, die mit exzellenter und innovativer Forschung maßgeblich zur Weiterentwicklung der Mykobakteriologie beitragen. Margo Diricks überzeugte die Jury in diesem Jahr insbesondere durch ihre innovativen Arbeiten zur Weiterentwicklung genomischer Analyseverfahren für nicht-tuberkulösen Mykobakterien (NTM). Die Auszeichnung wurde letzte Woche im Rahmen des diesjährigen ESM-Kongresses in Verona von Prof. Stefan Niemann, Programmdirektor des Programmbereichs Infektionen am FZB, überreicht.
Margo Diricks ist promovierte Bioingenieurin und forscht seit 2020 in der Arbeitsgruppe „Molekulare & Experimentelle Mykobakteriologie" am FZB. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Entwicklung genomischer Methoden, mit denen sich Krankheitserreger präzise identifizieren, typisieren und ihre Antibiotika-Resistenzmuster vorhersagen lassen – ein Ansatz, der sowohl für die Diagnostik als auch für die frühzeitige Erkennung von Ausbrüchen und die zuverlässige Nachverfolgung von Infektionsketten von Bedeutung ist. Ihr Fokus liegt dabei auf bakteriellen Lungenerregern, darunter NTM, Mycobacterium tuberculosis, sowie Bakterien der Gattung Haemophilus.
Ein besonderer Meilenstein ihrer Forschung ist ein cgMLST-Schema für Mycobacterium abscessus, einen der am schwierigsten zu behandelnden bakteriellen erreger. Das hochauflösende genomische Typisierungsverfahren erlaubt es, die genetische Verwandtschaft von M. abscessus stämmen im Detail zu untersuchen – etwa um globale Populationen zu analysieren oder mögliche Übertragungswege aufzudecken. Darüber hinaus analysierte sie Tausende Genome unterschiedlicher NTM-Spezies auf das Vorkommen von Plasmiden und lieferte damit neue Einblicke in deren genetische Vielfalt, Anpassungsfähigkeit und potenzielle klinische Relevanz. Ihre Ergebnisse sind unter anderem in Genome Medicine und Nature Communications erschienen.
Ebenfalls aus der Forschungsgruppe „Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie” stammt Dr. Viola Dreyer, die auf dem Kongress mit einem Posterpreis ausgezeichnet wurde. In ihrem Poster hat Viola Dreyer eine Methode zur Detektion von Mischinfektion zweier unterschiedlicher TB-Stämme vorgestellt. Getestet wurde das rein technische Verfahren an fast 4.000 Genomsequenzen aus einer prospektiven Kohorte in der Ukraine, mit bemerkenswertem Befund: Etwas mehr als vier Prozent der Infektionen waren Mischinfektionen. Die Sterblichkeitsrate dieser Personen war doppelt so hoch wie die der übrigen Kohorte.
Herzlichen Glückwunsch!