14.10.2026
SeqNET+-Konsortium bündelt Kräfte im Kampf gegen medikamentenresistente Tuberkulose und andere Krankheitserreger
Medikamentenresistente Tuberkulose zählt weltweit weiterhin zu den größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit. Um die internationale Zusammenarbeit zu stärken, kamen Partner aus vier Ländern mit hoher Krankheitslast – Eswatini, Mosambik, Namibia und Moldau – gemeinsam mit internationalen Partnern zum ersten jährlichen Konsortialtreffen des Projekts SeqNET+ zusammen.
Das Treffen fand am 5. und 6. Oktober 2026 im Herrenhaus des Forschungszentrums Borstel statt. Es bot eine wichtige Gelegenheit, die in den Partnerländern erzielten Erfolge zu würdigen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam die Prioritäten für die verbleibenden zwei Projektjahre festzulegen.
SeqNET+ knüpft an Partnerschaften an, die seit 2018 im Rahmen des Globalen Gesundheitsschutzprogramms (GHPP) des Bundesministeriums für Gesundheit aufgebaut und kontinuierlich gestärkt wurden. Das GHPP fördert Zusammenarbeit, gegenseitiges Lernen und nachhaltige Ansätze zur Verbesserung der globalen Gesundheit. Auf dieser Grundlage treibt SeqNET+ den Einsatz moderner Sequenzierungstechnologien für die Diagnose und Überwachung von Tuberkulose und weiteren Erregern von Atemwegserkrankungen voran und stärkt zugleich lokale Expertise und Laborkapazitäten.
In den zwei Tagen standen die wissenschaftlichen Fortschritte, die Erfahrungen bei der Umsetzung, die klinische Anwendung sowie Strategien für langfristige Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. In den Vorträgen wurden gemeinsame Erfahrungen und Fortschritte bei der Einführung der Next-Generation-Sequenzierung vorgestellt, Bilanz über die bisherigen Projektergebnisse gezogen, die strategische Planung der nächsten Phase skizziert und die klinische Anwendung und Nachhaltigkeit der gezielten Next-Generation-Sequenzierung (tNGS) beleuchtet.
Die Teilnehmenden besichtigten zudem die hochmodernen Sequenzierungs- und Mykobakterien-Kulturlabore des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum, sowie das auf dem Campus angesiedelte Nationale Referenzzentrum für Mykobaktieren (NRZ). Die Besuche boten Gelegenheit, sich über Laborinfrastruktur und Arbeitsabläufe auszutauschen.
In einer eigens organisierten „World Café“-Sitzung diskutierten die Teilnehmenden die zentralen Herausforderungen des Projekts in vier Schlüsselbereichen: Laborarbeit, Bioinformatik, klinische Umsetzung und Nachhaltigkeit. Die Gespräche unterstrichen, wie wichtig ein kontinuierlicher länderübergreifender Austausch ist, und mündeten in den Beschluss, eine länderübergreifende Arbeitsgruppe einzurichten. Sie soll gemeinsame Herausforderungen angehen und gemeinsame Lösungen sowie gemeinsame Förderanträge erleichtern.
Das Treffen machte zudem deutlich, wie rasant sich die Sequenzierungskapazitäten in den Partnerländern entwickeln. Ein Hauptvortrag zu Mosambik zeigte, wie das Land seine Kapazitäten dank einer langjährigen Partnerschaft ausgebaut hat, die bereits vor dem offiziellen Start des ersten NGS-Implementierungsprojekts im Jahr 2018 bestand. Vergleichbare Fortschritte wurden auch in den übrigen Partnerländern erzielt – ein Beleg für den Wert nachhaltiger internationaler Zusammenarbeit und lokaler Eigenverantwortung.
Zugleich sprachen die Partner offen über aktuelle Herausforderungen für globale Gesundheitsprogramme, darunter Kürzungen bei den verfügbaren Mitteln. Als wichtige Prioritäten für die kommenden Jahre benannte das Konsortium die Diversifizierung der Finanzierungsquellen und eine stärkere lokale Interessenvertretung. Der Austausch mit nationalen Entscheidungsträgern und Gesundheitsbehörden soll intensiviert werden, um nationale Unterstützung für sequenzbasierte Diagnostik und Überwachung zu sichern – parallel zur fortgesetzten Zusammenarbeit mit internationalen Gebern.
Die Atmosphäre des Treffens war durchweg lebendig und konstruktiv. Die Partner zeigten sich hoch motiviert, auf den Erfolgen der vergangenen Jahre aufzubauen und die nächste Phase von SeqNET+ gemeinsam zu gestalten. Das Treffen bekräftigte das gemeinsame Ziel, lokale Kapazitäten zu stärken, Sequenzierungstechnologien in die klinische und öffentliche Gesundheitspraxis zu überführen und den Nutzen der Genomdiagnostik in den am stärksten von medikamentenresistenter Tuberkulose betroffenen Ländern dauerhaft zu sichern.
Mit klarem Fokus blickt das SeqNET+-Konsortium nun auf die letzten beiden Projektjahre: Starke internationale Partnerschaften, wachsende lokale Fachkompetenz und technologische Innovationen sollen in nachhaltige Verbesserungen bei der Diagnostik, Überwachung und Bekämpfung der Tuberkulose münden.




