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19.09.2026

Lindsay Sonnenkalb mit Isabelle-Olivieri-Medaille 2026 ausgezeichnet

Dr. Lindsay Sonnenkalb vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum ist mit der Isabelle-Olivieri-Medaille 2026 für eine herausragende Publikation im Bereich der translationalen Evolutionsforschung ausgezeichnet worden. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde Anfang September im Rahmen des TransEvo-Retreats „Evolution by the Lake“ verliehen.

Ausgezeichnet wurde die im Jahr 2025 in der Fachzeitschrift Journal of Infection veröffentlichte Studie mit dem Titel „The mutant selection window of moxifloxacin and bedaquiline resistant Mycobacterium tuberculosis“. Darin untersucht Lindsay Sonnenkalb gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, unter welchen Bedingungen Resistenzen gegen die wichtigen Tuberkulose-Medikamente Moxifloxacin und Bedaquilin entstehen können.

Bereits Alexander Fleming warnte davor, dass eine zu niedrige Dosierung von Antibiotika dazu führen kann, dass resistente Bakterien überleben und sich vermehren. Bei Mycobacterium tuberculosis, dem Erreger der Tuberkulose (TB), ist dieses Problem besonders relevant. Die Bakterien können sich in unterschiedlichen Bereichen des Körpers und sogar innerhalb von Zellen verstecken und dort überdauern. In diesen Bereichen erreichen die Antibiotika möglicherweise nicht immer die nötige Konzentration, um wirksam zu sein.

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Die Studie untersuchte deshalb das sogenannte „mutant selection window“, einen Konzentrationsbereich, in dem resistente Bakterien überleben können, während empfindliche Bakterien bereits abgetötet werden. Für Moxifloxacin und Bedaquilin zeigte sich, dass Resistenzen bereits bei deutlich niedrigeren Wirkstoffkonzentrationen als bisher angenommen entstehen können – teilweise bei nur 6 bis 12 Prozent der Konzentration, die normalerweise zum Abtöten der Bakterien als notwendig angesehen wird.

Die Forschenden untersuchten darüber hinaus, welchen "Preis" die Bakterien für ihre Resistenz zahlen. Bei häufigen Resistenzen gegen Moxifloxacin zeigte sich kaum ein Nachteil: Die resistenten Bakterien konnten ähnlich gut wachsen wie nicht-resistente Bakterien. Bestimmte Resistenzen gegen Bedaquilin waren dagegen mit deutlichen Wachstumsnachteilen verbunden.

Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wann resistente Tuberkulosebakterien entstehen und sich durchsetzen können. Gleichzeitig zeigen sie, wie experimentelle Forschung und mathematische Modelle dazu beitragen können, Antibiotikadosierungen und Therapien so zu optimieren, dass die Wirksamkeit wichtiger Medikamente möglichst lange erhalten bleibt.

Über TransEvo

TransEvo ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Graduiertenkolleg (GRK 2501) mit dem vollständigen Namen „Translationale Evolutionsforschung“ (Translational Evolutionary Research). Es wird von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel koordiniert und gemeinsam mit dem FZB und weiteren Forschungsinstituten in Schleswig-Holstein durchgeführt. Hier untersuchen Forschungsgruppen interdisziplinär wie Erkenntnisse der Evolutionsbiologie auf aktuelle gesellschaftliche Probleme angewendet werden können.

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